14. August 2018,

Exportschlager Trdelník

Trdelníky werden traditionell auf Buchenholz (trdlo) - neuerdings auch auf Metallzylindern - über offenem Feuer gedreht und gebacken.

23. 12. 2017

Immer mehr deutsche Weihnachtsmärkte bieten den Baumstriezel nach böhmischem Rezept an – zuweilen auch noch nach Weihnachten

Nürnberger Lebkuchen auf Prager Weihnachtsmärkten? Selbstverständlich. Marco Späth aus dem mittelfränkischen Neustadt/Aisch betreibt seit Jahren einen Süßwaren-Stand auf dem Altstädter Ring.

Böhmische Trdelníky auf deutschen Weihnachtsmärkten? Werden immer beliebter. Als 2016 das Programm für den Markt in Essen vorgestellt wurde, priesen die Veranstalter das Süßwarengebäck nach tschechischer Art als neue Attraktion an. Im Jahr 2017 hat sich die Zahl solcher Stände in Deutschland noch erhöht. Selbst in kleineren Städten wie dem unterfränkischen Schweinfurt wird die Spezialität aus dem Nachbarland nun angeboten. Immerhin 100 Baumschnitten wurden dort seit Ende November täglich zum Preis von vier Euro pro Stück verkauft, an den Wochenenden noch mehr. Nicht wenig bei nur rund 53.000 Stadtbewohnern.

Trdelník-Stand in Schweinfurt   © khan

Zumal ihnen das böhmische Süßgebäck, das dort auch unter dem wenig schmeichelhaften Namen „Zimt-Tölpel“ angepriesen wurde, erst einmal schmackhaft gemacht werden musste – sofern sie es nicht schon bei einem Prag-Besuch versucht und für gut befunden hatten. Bei dem wohlduftenden, warmen Gebäck wird Hefeteig auf Holzstangen gewickelt, über eine Feuerstelle gehängt und kontinuierlich gedreht, bis der Teig eine goldgelbe Farbe annimmt. Dann wird er in einer Mischung aus Nüssen, Mandeln, Zimt, Vanillezucker und Karamell gewendet. Ist er etwas abgekühlt, wird er vom Holz geschoben und in Scheiben geschnitten. Was auf den ersten Blick banal aussieht, erfordert jedoch einige Übung.

Nicht restlos geklärt ist, ob der Trdelník aus Siebenbürgen in Rumänien stammt, aus Ungarn oder der Slowakei. Sicher scheint, dass er im alten Habsburgerreich erfunden wurde. Im 18. Jahrhundert soll das Rezept das Gebiet des heutigen Tschechien erreicht haben. Wobei Trdelníky hier häufig am Tag des Heiligen Georg (23. April) gebacken wurden. Gemäß einer alten tschechischen Bauernregel ist an diesem Tag mit Schlangen und Skorpionen zu rechnen. Deshalb soll der Trdelník auch wie eine eingerollte Schlange aussehen …

Die Rezepte unterscheiden sich zuweilen. In Prag werden mittlerweile gerne Zusätze wie Eis, Schokosauce oder Schlagsahne und Erdbeeren verwendet. Allerdings sind solche Variationen nötig, denn hier ist nicht nur an Weihnachten Trdelník-Zeit, sondern praktisch immer. Ein regelrechter Hype um den Baumkuchen hat dazu geführt, dass man nun fast in der ganzen Stadt Trdelník kaufen kann.

© Tamorlan, CC BY-SA 3.0

Dass er sich im Nachbarland ausbreitet, ist vor allem das Verdienst von Radek Luka. Der Unternehmer aus dem mittelböhmischen Psáry betreibt mehrere Firmen und gilt als einer der größten Produzenten von Trdelníky in der Tschechischen Republik. Laut tschechischer Presseberichte hat Luka seinen eigenen Teig aus 13 Zutaten kreiert, weniger nach dem historischen Rezept und eher nach „dem Geschmack der Menschen heute“. Er vertreibt seine Trdelníky in tschechischen Zoos, auf der Pferderennbahn in Velká Chuchle und in Stadien, ebenso auf Stadtfesten, Jahrmärkten und Musikfestivals.

Radek Luka hat mit seinem Produkt auch im Ausland – sogar in Asien – Fuß gefasst. Zu Weihnachten sind seine Trdelníky angeblich auf 20 deutschen Märkten zu genießen, darunter in mehreren fränkischen Städten. Wie Schweinfurt und Hof – und Nürnberg. Womit sich der Kreis zu den Lebkuchen schließt …

 


Text: Klaus Hanisch

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