14. Dezember 2017,

"Zum Wohl der gesamten Gesellschaft"

Der Wenzelsdom in Olomouc ist Sitz des Erzbischofs und einer von über 6.600 Bauten, die die katholische Kirche hierzulande verwaltet.

01. 12. 2016

Die katholische Kirche gehört zu den finanzstärksten Institutionen des Landes. 2015 investierte sie 1,2 Millarden Kronen

Nur gut zehn Prozent der Tschechen bekannten sich bei der letzten großen Volkszählung 2011 zum römisch-katholischen Glauben. Dennoch gehört die katholische Kirche zu den finanzstärksten nicht-kommerziellen Institutionen des Landes. Mitte vergangener Woche legte die Bischofskonferenz ihre Zahlen für das Jahr 2015 vor. Demnach investierte die Kirche 1,2 Milliarden Kronen (etwa 44 Millionen Euro). Gleichzeitig erhielt sie vom Staat Zuschüsse von 892 Millionen Kronen (33 Millionen Euro).

Investiert wurde in die kirchen­eigene Land- und Forstwirtschaft, in Immobilien, aber auch in anderen Bereichen – darunter zum Beispiel eigene Kleinbrauereien. Ein Großteil der Gelder fließt in einen Fonds, der von der Bank ČSOB verwaltet wird. Die Einnahmen aus den kirchlichen Betrieben beliefen sich im vergangenen Jahr auf 994 Millionen Kronen (37 Millionen Euro). Der Reingewinn betrug 108 Millionen (etwa 4 Millionen Euro).

Sinkende Zuschüsse
Die Kirche als gewinnorientiertes Unternehmen? Die Bischofskonferenz verweist auf die Notwendigkeit, in die Zukunft zu investieren, da die staatlichen Zuschüsse kontinuierlich zurückgefahren und im Jahr 2030 ganz eingestellt werden. Das ist im Restitutionsgesetz festgelegt, das 2013 den jahrzehntelangen Streit zwischen Kirche und Staat beigelegt hat.

Die Investitionen von 1,2 Milliarden seien nötig, um „nicht nur den Betrieb der Kirche und der ihr angeschlossenen Institutionen zu gewährleisten, sondern ebenso um unsere zahlreichen Aufgaben in den Bereichen Fürsorge und Bildung auch in Zukunft wahrzunehmen“, heißt es in einer Mitteilung der Bischofskonferenz. „Unsere Güter und unser Kapital gut zu verwalten, dient nicht nur dem Wohl unserer Mitglieder, sondern nützen der gesamten Gesellschaft“, erklärte Jan Graubner, Erzbischof von Olomouc und Vorsitzender der Konferenz. Ziel sei eine finanziell unabhängige Kirche, heißt es in der Stellungnahme.

Auf der Ausgabenseite bilden die Personalkosten von rund einer Milliarde Kronen einen der größten Posten. Der Durchschnittslohn der gut 3.000 ­Beschäftigten lag bei rund 18.000 Kronen (665 Euro). Etwas mehr als eine Milliarde Kronen gab die katholische Kirche für soziale Projekte in den Bereichen Bildung und Gesundheit sowie für die Pflege von denkmalgeschützten Objekten aus. In ­Zukunft muss die Kirche dafür – wie alle anderen auch – entsprechende Anträge an die staatliche Denkmalpflege stellen, falls sie zusätzliche Gelder benötigt.

Das schrittweise Ende staatlicher Zuschüsse bedeute mehr Freiheit für die römisch-katholische Kirche, aber auch mehr Verantwortung, betonte Erzbischof Graubner. Und deshalb müsse sie ein sicherer Hafen sein – auch wenn es um weltliche Güter gehe.

Text: Stefan Welzel, Foto: xkomczax/CC-BY 3.0

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