15. Dezember 2018,

Zeman bleibt Präsident

© David Sedlecký, CC BY-SA 4.0

27. 01. 2018

Amtsinhaber gewinnt Stichwahl gegen Herausforderer Drahoš mit rund 51 Prozent – und will nun einen gemäßigteren Kurs einschlagen




Miloš Zeman hat erneut die tschechischen Präsidentschaftswahlen gewonnen. Der Amtsinhaber setzte sich in der Stichwahl mit 51,36 Prozent gegen seinen Herausforderer Jiří Drahoš durch. Der ehemalige Vorsitzende der Tschechischen Akademie der Wissenschaften erhielt laut vorläufigem Endergebnis insgesamt über 152.000 Stimmen weniger.

Zeman erreichte in insgesamt zehn tschechischen Regionen eine Mehrheit der Stimmen. Drahoš hingegen war in Prag, in den Kreisen Mittelböhmen, Liberec und Hradec Králové sowie bei im Ausland lebenden Tschechen erfolgreich. In der Hauptstadt stimmten fast 69 Prozent für den Akademiker. Einen ähnlich hohen Wert erhielt sein Kontrahent in Mährisch-Schlesien und dem Kreis Ústí nad Labem mit jeweils rund 62 Prozent.

In Gegenden mit einer hohen Arbeitslosigkeit erzielte Zeman seine besten Ergebnisse. In den im Osten gelegenen Bezirken Karviná und Bruntál, aber auch in Most am Rande des Erzgebirges stimmten zwischen 65 und 70 Prozent der Wähler für den früheren Ministerpräsidenten. In wirtschaftlich erfolgreichen Regionen wiederum nur gut jeder Dritte.

Direkt nach der Wahl versprach der wiedergewählte Präsident, in der kommenden Amtszeit wolle er sich „weniger selbstbewusst und weniger arrogant“ geben und „mehr Demut“ zeigen. Zudem werde er sich in den kommenden fünf Jahren für mehr direkte Demokratie einsetzen. Auch Bürgermeister und Kreishauptmänner sollten laut Zeman direkt vom Volk gewählt werden.

Die Wahlbeteiligung lag bei 66,6 Prozent. Politikwissenschaftler sehen darin den Hauptgrund für Zemans Erfolg. An der Stichwahl nahmen knapp 400.000 mehr Wähler teil als an der ersten Runde am 12. und 13. Januar. „Zeman konnte Bürger überzeugen, die vor zwei Wochen noch zuhause geblieben waren“, meinte Tomáš Lebeda gegenüber der Nachrichtenagentur ČTK. Politologe Daniel Kunštát merkte an, das Staatsoberhaupt habe die „schweigende Masse“ in bestimmten Regionen wie Mährisch-Schlesien und dem Nordwesten des Landes mobilisiert.

Auf der anderen Seite habe der Herausforderer Drahoš viele Wähler der in der ersten Runde unterlegenen Kandidaten nicht überzeugen können. Laut Expertenansicht fehlten ihm – im Gegensatz zu Zeman – die rhetorischen Fähigkeiten und die politische Erfahrung. Um mehr Anhänger der ODS zu erreichen, hätte er sich zum Beispiel weniger pro-europäisch geben sollen. Und seine kritischen Töne gegenüber Premier Andrej Babiš kosteten ihm Stimmen bei Wählern der ANO-Partei.

Text: PZ

^ nach oben