16. August 2018,

Preise 2018

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05. 01. 2018

Lob – und sicher wieder Ärgernis





Anmerkungen von Klaus Hanisch



Sie haben noch keinen Vorsatz für 2018? Sie fühlen sich vielleicht gerade schlecht, weil schon wieder ein neues Jahr beginnt? Dann könnten Sie folgende Gedanken interessieren:

Im Laufe eines Jahres werden viele Preise und Auszeichnungen vergeben. Auch für und zwischen Deutschen und Tschechen. Man denke nur an den Preis für die deutsch-tschechische Verständigung oder den Brückenbauer-Preis in Ostbayern. Selbst einen Johnny-Klein-Preis gibt es. Das wird 2018 nicht anders sein. Und wieder wird man sich zuweilen wundern, wer für preiswürdig befunden wird. Das gilt jedoch für Auszeichnungen generell, nicht nur bei solchen für Deutsche und Tschechen.

Wobei es allerdings schon eine tschechische Ehrung war, die im Herbst 2017 erstaunte. Damals erhielt nämlich ein ehemaliger deutscher Kanzler den äußerst bedeutenden „Orden des Weißen Löwen“. Für dessen „besonders herausragenden Verdienste um das Wohl der Tschechischen Republik“. Von dem Politiker a. D. ist indes nicht bekannt, sich dafür verwendet zu haben, dass Tschechinnen und Tschechen unmittelbar nach dem EU-Beitritt ihres Landes 2004 in Deutschland arbeiten durften. Sondern erst 2011, nach der vollen Sperrfrist von sieben Jahren. Verwunderlich zudem, dass er den Preis aus der Hand eines Präsidenten entgegennahm, der ihn als Premier mit unqualifizierten Äußerungen dermaßen verärgerte, dass er einen für März 2002 geplanten Besuch in der tschechischen Hauptstadt absagte.

Ein anderer Deutscher, der schon lange in Tschechien lebt, wurde kürzlich ebenfalls in Prag ausgezeichnet. Er traf dabei bemerkenswerte Aussagen. Von der Ehrung habe er eigentlich nichts wissen wollen, erklärte der Ausgezeichnete. Denn für seine tägliche Arbeit bekomme er ja sowieso schon ein Honorar. Preise sollten nach seiner Meinung an Leute vergeben werden, die sich ehrenamtlich verdient gemacht hätten. Sowie mit ganz konkreten Projekten. Der Mann nahm den Preis zwar trotzdem an, seine Feststellungen könnte man aber als Leitsätze für Jurys und Komitees in Stein meißeln. Umso mehr, da Preisvergaben stets subjektiven Einschätzungen und Geschmäckern folgen. Außer vielleicht Ehrungen für ein Lebenswerk, weil und wenn es weitgehend außerhalb kritischer Diskussionen steht.

Wenn tatsächlich außergewöhnliche Leistungen der Maßstab sein sollen, so bleibt wenig verständlich, warum Politiker, Wirtschaftskapitäne, Juristen oder Verwaltungsfachleute so oft ausgezeichnet werden. Wie gerade der deutsche Altkanzler. Schließlich erfüllen sie – hoch bezahlt und mit Machtfülle ausgestattet – in der Regel nicht oder kaum mehr als das, was von Amts wegen ihre verdammte Pflicht und Aufgabe ist. Dass Chefs großer Unternehmen zuweilen soziale Projekte unterstützen, hat nicht unbedingt mit sozialem Gewissen zu tun, sondern mit Fragen des Steuerrechts. Und mit Imagebildung.
Das war schon immer so. Und wirft somit auch immer wieder die Frage nach der Kompetenz von Jurys und Komitees auf, die Auszeichnungen zuerkennen.

Wer Mitgliedern solcher Gremien abseits ihrer festlichen Preisverleihungen genauer zuhört, erfährt oft Unerwartetes über ihre Kriterien. So vergeben sie Auszeichnungen gerne an Prominente. Dadurch wird der Preis selbst öffentlich bekannt(er) – und aufgewertet. Denn seine Verteiler sehen ihn damit auf einer Stufe mit dem von ihnen auserwählten Träger. Und vielleicht sogar sich selbst.

Manchmal nehmen Jurys einen (prominenten) Gast in ihre Reihen auf, sei es aus mangelnder Kenntnis über das Sachthema oder aus fehlendem Selbstbewusstsein. Zudem soll er ihrer Jury und Entscheidung natürlich Glanz verleihen. Was zu dem Ergebnis führen kann, dass am Ende der Gast den Preisträger bestimmt. Wenn's dumm läuft, sogar ganz allein und gegen die Mehrheitsmeinung in der Jury – weil man ihn ja auf keinen Fall bloßstellen will.

© Heinrich-Böll-Stiftung, CC BY-SA 2.0

Wenig überrascht, dass persönliche Bekanntschaften für die Vergabe eine Rolle spielen. Man schätzt sich und hilft sich und schiebt sich zu: diesmal du, nächstes Jahr ich. Oder einer aus unserem gemeinsamen Kreis. Eine solche Vergabepraxis befördert einen inneren Zirkel, der sich nicht selten für elitär hält. Und erklärt zu einem großen Teil auch, warum immer wieder die Gleichen geehrt werden. Nicht selten mehrfach.

Heikel werden Preisvergaben, wenn es um Geld geht. Konkret: Wenn Preisverleiher darauf hoffen, vom Ausgezeichneten anschließend mit einer Spende für ihre Arbeit bedacht zu werden. Wobei mancher schon feststellen musste, dass seine Rechnung nicht aufging. Weshalb umgekehrt folgendes Bonmot die Runde macht: Du willst einen Preis? Wie viel Geld willst du dafür ausgeben?

Besonders heikel wird es, wenn die Träger den Preis kontinuierlich selbst subventionieren. Solch einen Verdacht nährte ein Journalistenpreis in Deutschland, den Jahre lang Vertreter des gleichen Mediums erhielten. Bis es dieses Medium eines Tages nicht mehr gab. Prompt wurde auch der Preis nicht mehr vergeben. Was unvermeidlich zur Frage führt, ob für manchen Preis nicht das Verdienst die Maßgabe ist, sondern der Verdienst.

Jurys spielen mit der Eitelkeit von Menschen. Natürlich fühlen sich Preisträger durch eine Auszeichnung geschmeichelt, zumindest in den meisten Fällen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie in und von der Öffentlichkeit anschließend gerne als „Träger des Preises XY“ vorgestellt werden. Oder gar als „mehrfach ausgezeichnet“ …

Wie beim „Orden des Weißen Löwen“ erscheint auch manches skurril, was mit dem Bundesverdienstkreuz im Zusammenhang steht. Den gemeinen Bundesbürgern steht das Recht zu, einen Preisträger vorzuschlagen. Das können auch Tschechen sein. Oder Deutsche, die in der Tschechischen Republik arbeiten. Ich habe vor einigen Jahren von diesem Recht Gebrauch gemacht und dem damals amtierenden deutschen Außenminister in einem Schreiben einen Kandidaten in Prag vorgeschlagen, der nach der Revolution aus dem Nichts ein mittelständisches Unternehmen aufbaute. Es wuchs mit viel Idealismus und Tatkraft stetig, gab Deutschen und Tschechen Arbeit und förderte damit die deutsch-tschechischen Beziehungen nachhaltig.

In einer ersten Antwort wurde ich zu absolutem Stillschweigen verdonnert, um den amtlichen Vorgang nicht zu gefährden. Dann musste ich mehrere Jahre warten. Schließlich teilte das Auswärtige Amt in Berlin lapidar und ohne Angabe von Gründen mit, dass mein Vorschlag nicht geeignet sei. Dafür erhielt, zum Beispiel, ein früherer FIFA-Präsident dieses Bundesverdienstkreuz. Und zwar dafür, dass er nicht für Deutschland als Austragungsort der Fußball-WM 2006 gestimmt hatte, sondern für den Gegenspieler Südafrika.
 
Wo Menschen sind und wirken, da menschelt's eben. Fasst man all diese Kriterien zusammen, würde fraglos von eigener Größe zeugen, einen Preis einfach abzulehnen, wenn er angetragen wird. Wie Hanseaten. Sie nehmen keinen Orden an, zumindest in der Regel nicht und sofern sie stolz und selbstbewusst genug sind.

Deshalb kann als guter Vorsatz für 2018 gelten: Fühlen Sie sich einfach ausgezeichnet! Auch ohne Preis, Lametta oder schweren Orden.

Text: Klaus Hanisch

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