14. Dezember 2017,

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Was er an Zeman mag? „Alles“, sagte Pavel Kočiš in einem Fernsehinterview.

21. 09. 2016

Der größte Fan des tschechischen Präsidenten malt Bilder von Miloš Zeman und schickt ihm Wein und Zigaretten

Pavel Kočiš ist gelernter Gärtner. Für eine entsprechende Position bewarb er sich vor drei Jahren auf der Prager Burg. Dass Kočiš gerne im Garten arbeitet, war allerdings nicht die einzige Motivation für seine Bewerbung. Er wollte auch möglichst nah an Miloš Zeman sein. Kočiš ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der größte Bewunderer, den der tschechische Präsident hierzulande hat.

Zumindest sieht das Zimmer, das der 20-Jährige im Haus seiner Mutter in Osnice bei Prag bewohnt, schwer danach aus. Auf Fotos wirkt die Dachbodenkammer wie ein kleiner Zeman-Tempel. Alle Wände sind mit Fotos des Präsidenten geschmückt, oder besser – tapeziert. Über 5.000 Bilder von Miloš Zeman kleben an ihnen. Darüber hinau­s hängen dort tschechische Flaggen, Zeitungsausschnitte mit Artikeln über den Präsidenten, ein Modell der Prager Burg aus Pappe, Briefe von Zeman sowie von seiner Frau Ivana, dazu von Kočiš selbst gezeichnete Porträts des Staatsoberhaupts.

Auf die Frage, was er an Zeman mag, hat Kočiš in einem Fernsehinterview einmal eine einfache Antwort gegeben: „Alles. Was er sagt, wie er redet, wie lustig er sein kann.“ Er sei die bessere Wahl als Schwarzenberg gewesen. Nähere Gründe nannte er nicht. Dabei ist Zeman nicht das erste Staatsoberhaupt, das Kočiš bewundert. Von Václav Klaus malte er früher auch Bilder. Angefangen hatte alles in der Schule, als die Kinder im Unterricht die Aufgabe bekamen, eine bekannte Persönlichkeit zu porträtieren. Kočiš suchte sich damals Klaus aus – und hat seitdem mit dem Malen nicht mehr aufgehört. Als Klaus in seiner Funktion durch Zeman ersetzt wurde, packte der damals 18-Jährige alle Porträts von ihm in eine Kiste und fing an, das neue Staatsoberhaupt zu zeichnen. Die erste direkte Präsidentschaftswahl hatte er genau verfolgt. Auch alle Wahlergebnisse notierte er minutiös und archivierte sie.

Über 5.000 Fotos des Präsidenten hängen im Zimmer des 20-Jährigen.

Den Job auf der Prager Burg hat am Ende ein anderer bekommen. Kočiš ließ sich dadurch aber nicht entmutigen. Seiner Leidenschaft geht er weiterhin nach. Er malt Porträts von Miloš Zeman, sammelt alle Zeitungsartikel über ihn und schickt ihm Briefe und Geschenke: Ziga­retten, ein Feuerzeug, Tassen oder Zigarren. Auch einige Flaschen Wein hat er dem Präsidenten zukommen lassen. Bereits zweimal hatte er sogar die Gelegenheit, sein Idol persönlich zu treffen. 2013 im Kreis Karlsbad und drei Jahre später in Průhonice bei Prag. Dort übergab er ihm Bilder, woraufhin ihm Zeman eine Zigarette anbot. In Zeitungen erschienen Bilder von den zwei ins Gespräch vertieften Rauchern. Auch Zemans Pressesprecher Jiří Ovčáček war mehrmals zu Besuch in Osnice. Er nahm Porträts von – und für – Zeman entgegen und ließ sich mit dessen größtem Fan ablichten.

Für Politik interessiert sich Kočiš nicht sonderlich. Nach Zemans Treffen mit Angela Merkel gratulierte er ihm zwar auf seiner Facebook-Seite dazu, die Flüchtlingsquoten kritisiert zu haben. Die Medien verfolgt er sonst aber nur, um weitere Fotos des Präsidenten zu finden. Am Ende des Monats schneidet er sie aus allen Artikeln heraus. An seiner Wand ist immer noch ein bisschen Platz.

Text: Jan Nechanický, Fotos: P. Kočiš

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