18. Februar 2019,

Diebstähle in Serie

Illustrationsfoto   © CC0

04. 02. 2019

Im Grenzgebiet wurden in jüngster Zeit über hundert Verbrechen aufgeklärt. Es gibt gleich 14 Tatverdächtige aus Tschechien

 


Von Klaus Hanisch



Wird das Grenzgebiet zwischen Ostbayern und Westböhmen immer stärker zu einem Zielgebiet für Diebesbanden? „Eindeutig nein“, sagt Albert Brück, Pressesprecher am Polizeipräsidium in Regensburg. Gleichwohl drängt sich der Eindruck auf. Besonders durch den jüngsten Fahndungserfolg, über den die Polizei in Furth im Wald berichtete.

Schon die Einladung zu dieser Pressekonferenz ließ auf schwerwiegende Verbrechen schließen. Gleich drei leitende Beamte wollten „hinsichtlich des Ermittlungsstands“ informieren, kündigte das Oberpfälzer Präsidium eine Woche zuvor an – was nur bei außergewöhnlichen Ereignissen passiert. Tatsächlich ging es in Furth im Wald um eine Vielzahl von Einbrüchen, die sich ab Oktober 2017 häuften. Diebe suchten Garagen, Scheunen und Lagerräume heim und klauten unzählige Werkzeuge, Kompletträder, Alufelgen, Fahrräder und sogar Autos.

Wegen dieser vielen Taten wurde kurz vor Weihnachten 2017 eigens eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, die Licht ins Dunkel bringen sollte. Frühzeitig ergaben sich Hinweise darauf, dass „die Grenznähe eine wichtige Rolle spielte“, so Albert Brück. Und dass es einen „starken Bezug zur Tschechischen Republik“ gab. Deshalb wurde die tschechische Polizei eng in die weiteren Ermittlungen eingebunden.

Dies führte Anfang Februar 2018 zur Festnahme eines Pärchens – ein 34-jähriger Slowake und eine 21-jährige Tschechin – in Neukirchen beim Heiligen Blut. Der Slowake, der in Pilsen wohnte, galt danach als dringend tatverdächtig. Nach seiner Festnahme wurden deutlich weniger Einbrüche registriert. Trotzdem vermutete die Polizei bald, dass nicht er allein für diese Taten verantwortlich sein könnte. Bei der weiteren Spurensuche stellte sich heraus, dass die zahlreichen Taten in einem Zusammenhang stehen – und dass der 34-Jährige Kopf einer Bande war, die mit wechselndem Personal eine ganze Serie von Diebstählen im Grenzgebiet verübte.

Die Polizei kam schließlich zu dem Ergebnis, dass dafür 14 Tatverdächtige aus Tschechien infrage kommen, zehn Männer und vier Frauen. Unter ihnen sind Tschechen, Slowaken und Ukrainer im Alter von 22 bis 40 Jahren. Die Aufklärung erfolgte in enger Abstimmung mit der Polizei in Pilsen, offene Fragen zu Taten und Personen wurden gegenseitig schnell abgeklärt. Denn die Verdächtigen kommen den Angaben zufolge aus dem dortigen Drogenmilieu. Ihre Diebstähle gelten als Beschaffungskriminalität und dienten wohl dazu, vom Erlös der Wertgegenstände Drogen zu kaufen.

Insgesamt finden sich laut Auskunft der Polizei derzeit 108 Fälle in den Ermittlungsakten. Die Diebstähle wurden in Ostbayern wie auch in Franken ausgeführt. Der Sachschaden soll sich auf mehrere Hunderttausend Euro belaufen. Nur wenige gestohlene Gegenstände sind wieder aufgetaucht.

Der Slowake war der Polizei bereits „bekannt“, als er im Februar 2018 festgenommen wurde. Auch die anderen Tatverdächtigen sind für die Behörden größtenteils kein unbeschriebenes Blatt mehr. Drei Männer sitzen bereits wegen anderer Taten in Gefängnissen. Durch Befragungen von Verdächtigen kamen die Polizisten weiteren Tätern auf die Spur.

Bei ihrer akribischen Arbeit untersuchten die deutschen Ermittler Dutzende von Fällen. Noch immer gehen sie davon aus, dass viele Taten nicht aufgeklärt sind, die von der Bande aber verübt wurden. Und dass viele Diebstähle möglicherweise noch gar nicht gemeldet wurden. Daher setzt die Polizei ihre Auswertungen und Recherchen fort, während sie gleichzeitig die bekannt gewordenen 108 Fälle an die Staatsanwaltschaft übergibt.

Zwar handelt es sich dabei eindeutig um einen Fall von „Grenzgänger-Kriminalität“, trotzdem sieht Polizeisprecher Brück keinen signifikanten Anstieg der Kriminalität rund um die Grenze. Auch nicht dadurch, dass in jüngster Zeit immer mehr Fahrzeuge mit der sogenannten „Keyless-Go“-Technik gestohlen wurden. Denn es gebe laut Brück derzeit auch eine Diebstahlserie mit annähernd 100 Fällen bei Schwandorf, die ohne Bezug zu Tschechien sei und stattdessen landesweite Bedeutung habe.

Bei Drogen spiele die nahe Grenze zwar eine Rolle, die vielen Aufgriffe erklären sich aber nicht zuletzt durch die nachhaltigen Kontrollen von Schleierfahndern im Umkreis von 30 Kilometern. Und diese Täter stammen oft nicht einmal aus der Grenzregion.


Foto: APZ

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