14. Dezember 2017,

Bagger, Gott und Bundesliga

Beim Spaziergang mit den Hunden: Pfarrer Irmer hat ein Herz für Tiere - und Pläne für seine Wahlheimat Mariánské Radčice.

19. 10. 2016

Philipp Irmer kam vor 13 Jahren als Pfarrer aus Deutschland ins nordböhmische Mariánské Radčice. Es ist auch sein Verdienst, dass der Wallfahrtsort im Kohleabbaugebiet inzwischen aufgeblüht ist

Ein tätowierter Mann mit T-Shirt und kurzer Hose lässt sich ein Bier zapfen, setzt sich auf die Holzbank, schaut einen der Umstehenden an und sagt in ganz passablem Tschechisch: „Na, wie sieht es nun damit aus?“ Er meint seinen Antrag auf die tschechische Staatsbürgerschaft, mit dem ihm der Angesprochene hilft. „Ich will endlich wählen – immer regiert hier derselbe Kommunist.“

Wer die tschechische Staatsbürgerschaft will, muss mindestens zehn Jahre seinen ständigen Wohnsitz hier haben und darf nicht vorbestraft sein. Philipp Irmer erfüllt beide Bedingungen. Bis zu den Regionalwahlen wird aus seinem Antrag aber nichts. „Dann eben beim nächsten Mal“, sagt er, und ruft hinterher: „Hoffentlich! Wir müssen hier etwas ändern!“

Es ist der dritte Samstag im September und in Mariánské Radčice (Maria Ratschitz) im nordböhmischen Bezirk Most (Brüx) findet die Marienwallfahrt statt – ein weiterer Versuch, an die berühmte Tradition anzuknüpfen. Einst pilgerten in diesen Tagen zehntausende Gläubige in den Ort. Sie übernachteten in der Nähe der Kirche, tagsüber standen sie Schlange für die Beichte. Nur den Glücklichsten gelang es, sich zum Gottesdienst in die ­Kirche zu quetschen.

In Arbeitskleidung: Irmer ist für drei Kirchen zuständig. Manche Gläubige kommen auch aus der Umgebung zu ihm.

Zapfhahn im Kreuzgang
Es regnet und es ist kalt. Die Leute, die an kleinen Ständen Wurst und Süßigkeiten verkaufen, haben nicht viele Kunden. Fast menschenleer ist es auch um das Podium herum. Am gemütlichsten ist es auf dem Kirchengelände, dessen Tore heute sperrangelweit geöffnet sind, damit sich jeder nach Belieben umschauen kann – auch in der Sakristei. Die größte Bewunderung ernten die bunten Fenster, die erst vor kurzem erneuert wurden. Unter einem kleinen Fenstermosaik hängt eine Messingplatte zum Dank an den Sponsoren Vladimír Budínský, ODS-Politiker und Minister unter ­Václav Klaus, in den Jahren 2006 bis 2015 Leiter der Abteilung ­Strategie und Kommunikation beim Berg­bau­unternehmen „Severočeské doly“.

Die meisten Besucher beginnen oder beenden die Besichtigung des Wallfahrtsortes am Zapfhahn, der für den Anlass direkt im Kreuzgang installiert wurde. Früher diente der Kreuzgang mit den geschnitzten Beichtstühlen und den gewölbten Arkaden den Pilgern als Unterkunft zum Gebet. Jetzt bieten hier der Pfarrer und seine Helfer Gyros, Souflaki und Pizza an. Gezapft wird dazu Bier aus dem Zisterzienserkloster im nahen Osek (Ossegg).

Knapp zehn Kilometer westlich von Mariánské Radčice beginnt das Gelände des Chemieunternehmens „Unipetrol“, zu dem auch die größte Raffinerie des Landes gehört. Ein größeres Abenteuer wartet jedoch am östlichen Ortsausgang. Die Landstraße geht nicht weiter, dafür nehmen die Warnschilder zu: „Nicht betreten! Unfallgefahr! Abbaugelände.“ Als das Gebell der letzten Hofhunde langsam verklingt, wird das Getöse der Grubenfahrzeuge und anderer Maschinen lauter.

Im Herbstnebel kann man Bagger, Container und Lastwagen eher erahnen als sehen. Noch sind sie etwa anderthalb Kilometer entfernt. Aber da im vergangenen Jahr die Fördergrenzen für den Kohleabbau auf­gehoben wurden, werden sie auf bis zu 500 Meter heranrücken können. „Vorgestern war ich mit dem Auto in der Waschanlage. Schauen Sie mal, wie es heute aussieht“, sagt der Zollbeamte Pavel Kováč, der hier geboren und aufgewachsen ist. „Früher war es wenigstens am Wasser ­ruhig, wo ich angeln gehe. Heute ist der Lärm sogar am Fischteich zu hören.“ Ansonsten mögen es die Einheimischen hier nicht, wenn man die Gegend als ausgebaggerte Einöde beschreibt.

Wiedergeburt eines abgeschriebenen Dorfes
An dieser Stelle wird es Zeit für einen persönlichen Einschub. Zum ersten Mal war ich im Herbst 1993 in Mariánské Radčice, als der Kampf um das benachbarte Libkovice (Liquitz) seinen Höhepunkt erreichte. Es war der bisher letzte Ort, der wegen der Kohle vernichtet wurde. Insgesamt mussten hunderte Dörfer weichen. Nur noch eine Handvoll Bewohner leistete damals Widerstand in einigen Häusern. Um einzukaufen, musste man nach Mariánské Radčice fahren.

Ehrlich gesagt gab es damals auf den ersten Blick kaum einen Unterschied zwischen Libkovice und Mariánské Radčice, das im letzten Moment gerettet wurde – dank der Förderlimits, die 1991 die Regierung unter Petr Pithart beschlossen hatte. Die verlassene Kirche mit der Pfarrei pfiff aus dem letzten Loch. Im gelben, stinkenden Nebel standen vor dem Lebensmittelladen ein paar Gestalten mit Bierflaschen in der Hand, ab und an fuhr eine Abbruchtruppe in Richtung Libko­vice durch das Dorf. Ein Hoffnungsschimmer war nirgends zu sehen.

Als ich fast ein Vierteljahr­hundert später am selben Ort ankam, traute ich meinen Augen nicht. Die meisten Häuser sind renoviert, die Gehwege gepflastert, der Schwefelgestank ist verschwunden. Die Gemeinde zählt 500 Einwohner (vor der Vertreibung lebten hier 1.000, Ende der achtziger Jahre knapp 300). Es gibt zwei Restaurants, neue Informationstafeln und Fahrradständer. Die beeindruckendste Wiedergeburt erlebte jedoch das Wallfahrtsgelände mit der Mater-Dolorosa-Kirche und der Pfarrei.

„Diese Kälte hier“
Vom Pfarrer haben mir Bekannte erzählt, die als Vermessungsingenieur und Restauratoren für ihn gearbeitet hatten. Zum ersten Mal bin ich im Januar hergefahren, um ihn zu treffen. Er kam gerade vom Einkaufen. „Hallo, ich bin Philipp“, begrüßte er mich damals und schimpfte die Hunde aus, die laut im Flur bellten. „Entschuldige, ich muss kochen“, sagte er und stieß mit dem Fuß die Tür auf, um die Lebens­mittel hereinzutragen, die er aus dem Lieferwagen mit dem deutschen Kennzeichen geholt hatte.

Nachdem er einen Berg Futter in Schüsseln für acht Hunde verteilte (ein Bernhardiner, Berner Sennenhunde, Terrier und Möpse), begann er, Essen für uns vorzubereiten. „Ich bin hier ein normaler Arbeiter, nichts Interessantes für eine tschechische Zeitung“, wimmelte er den ersten Versuch eines Interviews ab. Erst später am Nachmittag erzählte er, warum er sich 2003 ausgerechnet hier niedergelassen hat. „Ich war Diakon an der deutsch-niederländischen Grenze und betreute dort eine Jugendgruppe, die das Kloster Osek besuchen wollte. Davon hatte ich noch nie etwas gehört, das war sehr weit weg. Aber ich wollte es versuchen – und alle unsere 90 Kinder mitnehmen.“

Das war an einem Osterfest Mitte der neunziger Jahre. „Diese Kälte hier“, erinnert sich Philipp. „Alles war weiß. Und nichts war renoviert, die Zimmer waren … naja … einfach. Wir heizten mit Kohle, das war etwas ganz Neues für uns. Aber in der Kirche gab es keinen Ofen. Die Messe dauerte anderthalb Stunden. Ich konnte nicht mehr, aber die Jungs waren begeistert von diesem Abt.“

Ali Baba und die 40 Räuber
Abt des Klosters war damals Bernhard Thebes. Der Niedersachse hatte seinen Lebensunterhalt als junger Christ auf Schiffen und auf Baustellen verdient. Als er 30 wurde, trat er in ein Kloster im Rheinland ein. Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte die Begegnung mit einem Mönch, der nach der Machtübernahme durch die Kommunisten im Jahr 1948 aus dem Kloster in Vyšší Brod (Hohenfurth) geflohen war. Das weckte Thebes’ Interesse für Ordensbrüder, die im Totalitarismus verfolgt worden waren – auch deswegen wurde er im Juli 1990 zum Vorsteher des Klosters im nordböhmischen Osek gewählt. Denn das Kloster hatte von 1950 bis 1953 als Internierungslager für Priester gedient. Weitere 40 Jahre mussten dort Mönche verschiedener Orden zusammenleben. Danach gingen die Brüder ihrer Wege und Bernhard Thebes bot Unterkunft und Essen für Obdachlose aus den verlassenen Dörfern der Umgebung an, die im Gegenzug für ihn arbeiteten.

„Ali Baba und die 40 Räuber“ wurden die Bewohner des Klosters zu dieser Zeit genannt, in die auch Philipp Irmers erster Besuch in Nordböhmen fällt. „Wir gingen mit dem Abt als Pilger nach draußen. Er trug ein großes Kreuz vor sich her. Überall wurde Kohle abgebaut, es gab keinen Weg, wir liefen wie durch einen Dschungel.“ Als sie auf einen Hügel gelangten, zeigte der Abt auch die Kirche von Libkovice, das Einzige, was damals vom Ort noch übrig war.

Nach der Rückkehr organisierte Philipp in Deutschland Spendenaktionen für den Erhalt des Klosters in Osek und warb Jugendliche als freiwillige Helfer an. Im Jahr 2003 zog der damals 36-jährige Pfarrer selbst nach Osek. „Damals konnte ich schon Bier und Schnitzel auf Tschechisch bestellen. Ich musste also weder verhungern noch verdursten, das reichte für den Anfang.“

Das Bistum in Litoměřice (Leitmeritz) stimmte seinem Einsatz jedoch nur unter der Bedingung zu, dass sich seine Sprachkenntnisse verbesserten. Deshalb arbeitete er zunächst als Lehrer für Deutsch und Religion am Gymnasium im nahen Krupka (Graupen). Nebenbei lernte er dort auch besser Tschechisch, und 2004 zog er schließlich in die halb verfallene Pfarrei von Mariánské Radčice.

Keine heiligen Posen
Beim zweiten Treffen mit Philipp ist September, der Tag der Marien­wallfahrt. „Ach so, der Prager wieder“, ruft er und geht sein Priestergewand anziehen. Auf dem Weg hat er noch Zeit, einen Helfer zusammenzustauchen, der einen Stand mit Erfrischungen für die Gäste vorbereitet. „Du isst schon und hast noch gar nichts gearbeitet?“ Die Kirche füllt sich für hiesige Verhältnisse ziemlich gut. Zu den etwa 30 Katholiken aus der Umgebung kam noch ein Bus sächsischer Protestanten. Der Pfarrer widmet den Gästen die ersten zehn Minuten seiner ­Predigt auf Deutsch, dann spricht er auf Tschechisch weiter.

Nach der Messe gehen die Gläubigen im Regen auseinander, doch sobald die Sprache auf ihren Pfarrer kommt, sind sie bereit, einen Moment stehenzubleiben. Jitka und Petr sind beide Lehrer, zum Gottesdienst sind sie mit ihren zwei Kindern gekommen. „Wir gehören zu einer anderen Pfarrei, aber wir kommen ab und zu hierher, weil der Pfarrer gerne mal einen Witz macht. Seine Predigten sind lebendiger und leichter. Manche traditionsbewusste Katholiken haben damit ein Problem, aber uns gefällt das.“ Irena Wittmann­ová aus Chomutov (Komotau) ergänzt: „Der Pfarrer strahlt Freude aus, dass kann niemand übersehen. Keine heiligen Posen. Und er versteht es, Menschen anzuspornen.“

Auf ein Bier mit Pfarrer Irmer (rechts) im Kreuzgang. 

Lieber nicht als Chef
Der Zollbeamte Kováč ist auch gläubiger Christ. Irmer hat seine Kinder getauft. „Es dauerte eine Weile, bis Philipp die Mentalität der Leute hier verstand und aufhörte, Druck zu machen. Ich weiß noch, wie sein Boiler an einem Samstag ausfiel. Er rief einen Reparateur an, der ihm sagte, er komme am Montag. Philipp hat das nicht verstanden und schrie ihn an: ,Warum nicht heute? Wie soll ich mich denn waschen?‘ Also als Chef möchte ich ihn nicht haben, aber er ist ein ausgezeichneter Freund. Und er macht jeden Spaß mit. Im Sommer findet auf dem Kirchengelände ein Festival mit Musik statt, im Winter ein Schlachtfest, und dauernd lädt er Leute zu irgendeiner Feier ein. Oft schauen wir bei ihm auch Fußball.“

Irmer ist nämlich ein großer Fan von Borussia Mönchengladbach. Er hat sogar eine Dauerkarte auf Lebenszeit. „Ich kann mir kaum jemanden aus seinem Umfeld vorstellen, der noch nicht mit ihm dort war“, sagt Kováč. Auch er fuhr schon mit dem Pfarrer ins 700 Kilometer entfernte Bundesligastadion, und manchmal nach Most, wenn der dortige Klub ein wichtiges Spiel hatte. „Einmal ging er Karten kaufen und kam ganz aufgeregt zurück, weil sie so teuer waren. Dabei hatte er sich am falschen Schalter angestellt und zwei Karten für 700 Kronen gekauft – das waren Tickets für die gesamte Saison.“

Als Geistlicher ist Irmer auch für die Basilika in Bohusudov (Mariaschein) und für das Kloster Osek verantwortlich. Neben seiner Arbeit als Priester versucht er, Geld für weitere Renovierungen aufzutreiben, vor allem aus Deutschland. Die meiste Energie steckt er in das Wallfahrtsziel in Mariánské Radčice einschließlich der Pfarrei, die derzeit Platz für etwa 60 Übernachtungsgäste bietet. Seinem Einsatz ist es auch zu verdanken, dass seit dem vergangenen Jahr Bier im Kloster Osek gebraut wird. Er hat sich so lange um die Erneuerung der Zisterzienser-Brauerei bemüht, bis er sein Ziel erreichte. Das hauseigene Zwölferbier trägt deshalb seinen Namen: Philipp.

Freiwillige aus ganz Europa
Kochen, waschen, putzen, dazu Besuche, Aushilfen, Kurse – so sieht der Alltag in der Pfarrei aus. „Im Sommer kommen 30 Ausländer, die in Deutschland arbeiten wollen und deswegen Deutsch lernen müssen“, erzählt Mária Kováčová, die der Pfarrer 2003 als Köchin einstellte. „Bei uns können sie übernachten und dreimal täglich essen. Sie bleiben drei Wochen. Wenn sie wieder abreisen, bleibt uns kaum Zeit zum Aufräumen, bevor schon die nächsten 30 ankommen.“

Den Rest des Jahres wechseln sich in Mariánské Radčice Freiwillige aus ganz Europa ab. Sie graben Löcher, streichen Wände, verlegen Böden und mähen den Rasen. Mária ist seit diesem Jahr in Rente, im Pfarrhaus arbeitet sie aber weiterhin. „Mein Mann schimpft, dass ich erst für Geld hier gearbeitet habe und jetzt aus Dankbarkeit weitermache. Auf der anderen Seite liegt mir Philipp in den Ohren – wer soll ihm sonst helfen? Und abends fragt er mich immer, warum ich schon gehe. Zu Hause, sagt er, hätte ich doch eh nichts zu tun, wenn mein Göttergatte dauernd nur auf der Couch liegt und fernsieht.“

Am Anfang versuchte Pfarrer Irmer, in allen drei Kirchen, für die er zuständig ist, dreimal pro Woche zu predigen. Mária war der Meinung, dass es sich nicht lohne, wenn der Pfarrer von einer Messe zur nächsten hetze und dann kaum jemand von den Gläubigen komme. „Auch wenn nur du und ich da sind, hat es schon Sinn“, hat er ihr geantwortet. Der Dritte werde dann Gott sein und die Kirche voller Engel. Mária und Philipp haben sich über die Jahre angewöhnt, jeden Sonntag zusammen Mittagessen zu gehen, in einem Restaurant in den umliegenden Städten Litvínov, Most, Duchcov, Bílina, Krupka. „Er will mich besänftigen“, sagt die Frau, der der Pfarrer zum 60. Geburtstag eine Reise nach Ägypten schenkte. Auch er flog mit, und im Hotelzimmer feierten sie sogar eine Messe, während draußen vor dem Fenster die Muezzine zum Gebet riefen.

„Ich habe Pläne hier“
Mehrmals im Jahr fährt Irmer nach Deutschland, um alte Bekannte, befreundete Geistliche und Familienangehörige zu treffen. Bevor er Pfarrer wurde, arbeitete er als Koch in einigen Restaurants und dachte ernsthaft darüber nach, bei dem Beruf zu bleiben. „Aber dann musste ich Tausend Schnitzel am Tag panieren. Das war nichts für mich, da war ich gleich weg.“ Wird er irgendwann auch von Nordböhmen genug haben? „Nein. Ich habe Pläne hier. Aber mich stört die Dummheit. Und der Kohleabbau – nicht der Dreck und der Lärm, sondern dass die Leute nicht protestieren. Dass sie nichts sagen und nur auf sich schauen: Hauptsache, mir geht es gut, der Rest interessiert mich nicht – genau wie Schwejk. Das kann ein Westfale kaum aushalten. Sonst ist alles gut. Ich bin nicht traurig, hier zu sein.“

Obwohl Mariánské Radčice von Kohlekraftwerken umgeben ist, heizt der Pfarrer mit Holzpellets, was bestimmt nicht die günstigste Möglichkeit ist. Warum macht er das? „Schau doch diese Löcher und die Schornsteine überall um uns herum an, wie das die Menschen hier zerstört.“ Wenn der bald 50-Jährige seinen größten Erfolg hier nennen soll, spricht er von den Freiwilligen, zum Beispiel vom blinden Waisen, der hier auftauchte, als er 19 Jahre alt war. „Er war total lethargisch, ohne Energie. Heute hat er Freude am Leben, arbeitet in einer Spedition und schickt mir positive Briefe.“
Erst kürzlich war Irmer in Kroatien, von wo er einen weiteren Plan mitbrachte: „Wir werden dort ein Haus kaufen, so eine ausgebrannte Ruine. Daraus machen wir sechs Ferienwohnungen für unsere Gemeinde.“

Draußen in Mariánské Radčice ist es mittlerweile dunkel geworden, es hat noch immer nicht aufgehört zu regnen. Und wann ging es dem Pfarrer in all den Jahren hier am schlechtesten? „Im Jahr 2011. Borussia Mönchengladbach beendete die Bundesliga auf dem drittletzten Platz und musste in der Relegation um den Klassenerhalt kämpfen. Aber wir haben es geschafft“, sagt er und geht sich noch einen halben Liter Bier zapfen.


Der Artikel erschien zuerst auf Tschechisch im Magazin „Reportér“ (Oktober 2016). Übersetzung: Corinna Anton

Text: Marek Šálek, Fotos: Marek Kučera

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